Ein Dorf erobert die 2. Liga
Ein 860-Einwohner-Ort steigt in die 2. Fußball-Bundesliga auf. Nach dem 5:0 zum Saisonschluss über den SV Dörbach duften die Frauen des SV Bardenbach richtig jubeln. Dabei sah es in der Saison lange nicht nach dem Erfolg aus.
Die Schlussphase der Partie lief noch, da begannen die Auswechsel-Spielerinnen auf der Bank der Gastgeber schon zu feiern. "2. Liga, Bardenbach ist dabei", skandierten die Mitspielerinnen an der Linie und konnten es kaum erwarten, ihre Kolleginnen auf dem Rasen in Sekt und Bier zu tauchen. Unter dem Knallen eines Feuerwerks, das dem Meister zu Ehren abgebrannt wurde, durften sie dann aufs Spielfeld - und die Party konnte so richtig beginnen.
Zeitweise acht Punkte Rückstand
Mit dem 5:0-Erfolg im letzten Saisonspiel der Frauen-Regionalliga zwischen dem SV Bardenbach und dem SV Dörbach krönte der SVB seinen tollen Lauf der letzten Spiele. Vor wenigen Wochen war das so noch nicht abzusehen. Mit zwei Remis hatte Bardenbach das Jahr alles andere als gut begonnen. "Wir waren ein zusammengewürfelter Haufen. Da brauchte es einfach Zeit, bis wir uns gefunden hatten", sprach Bardenbachs Kapitänin Vicky Hinsberger von einem Entwicklungsprozess. Doch je frühlingshafter es wurde, desto mehr kam der Motor des Favoriten auf Temperatur. Mitte April quälte sich der SVB noch zu einem 3:2 bei Kellerkind SC Siegelbach, um den Gegnern dann nicht mehr den Hauch einer Chance zu lassen. Fünf Siege und 23:0 Tore lautete die beeindruckende Bilanz zum Ende - herausragend vor allem das 5:0 beim SV Furpach, der die Tabelle lange Zeit angeführt hatte. "Wir hatten zeitweise acht Punkte Rückstand. Der Sieg in Siegelbach war dann ein positives Signal. Danach haben wir unser Potenzial abgerufen", lobte auch Trainer Guido Mey.
Die Partie gegen Dörbach war bereits nach zehn Minuten gelaufen. Nach Freistoß von Juliana Edwards war Sarah Schinkel nach einer Minute mit dem Kopf zur Stelle und sorgte für den Traumstart des SVB. Wenig später nickte Zwillingschwester Ann-Katrin Schinkel das Leder an die Unterkante der Latte, von wo der Ball über die Linie sprang. Kurz vor der Pause legten "Annka" Schinkel und Lisa Marie Sockureck weitere Tore nach, in Hälfte zwei sorgte die eingewechselte Lena Therre für den Schlusspunkt (83.). Letzteres ein Bild mit Symbolcharakter: "Wir waren qualitativ sehr gut besetzt, und zwar vor allem auch in der Breite. Das war wichtig, wenn in der Schlussphase die Kräfte nachlassen", lobte Spielertrainerin Nadine Dillenburger das Kollektiv.
Damit will Bardenbach nächste Saison auch an der Vormachtsstellung des 1. FC Saarbrücken im saarländischen Frauen-Fußball kratzen. Bei zahlreichen Akteurinnen des neuen Meisters herrscht bereits Vorfreude auf die anstehenden Duelle mit dem großen Nachbarn. "Das werden natürlich zwei besondere Spiele", meinte auch Dillenburger, die ebenso wie Ann-Katrin Schinkel, Hinsberger, Edwards, Vanessa Skradde und Carolin Salm bereits für den FCS spielte. Eine wichtige Partie wartet am Donnerstag noch auf Bardenbach, wenn es darum geht, im Saarlandpokal-Finale den Titel aus dem Vorjahr gegen Regionalliga-Aufsteiger SSV Saarlouis zu verteidigen (15 Uhr in Oppen). "Wir wollen es Dortmund nachmachen und das Double holen", lachte "Annka" Schinkel.
Mey ist vom Potenzial überzeugt
Wie es danach weitergeht? Nadine Dillenburger schwärmt: "Wir haben hier eine super Vereinsgemeinschaft. Das macht richtig Spaß, in diesem Dorf Fußball zu spielen. Bis jetzt sind keine Abgänge bekannt. Unser Ziel in der 2. Bundesliga ist ganz klar der Klassenverbleib." Guido Mey ist überzeugt: "Wir haben das Potenzial, auch in der zweiten Liga zu bestehen. Auf große Klimmzüge in Sachen Transfers werden wir dabei verzichten, vielleicht aber werden wir die eine oder andere Verstärkung holen." "Wir haben hier
eine super Vereinsgemeinschaft. Das macht richtig Spaß, in diesem Dorf Fußball zu spielen."
Spielertrainerin
Nadine Dillenburger
"Wieder gegen den alten Verein zu spielen, ist etwas Besonderes. Es ist durchaus ein Ziel für uns, die Nummer eins im Saarland zu werden."
Vicky Hinsberger, die früher für den 1. FC Saarbrücken spielte
"Wir hatten zeitweise acht Punkte Rückstand. Der Sieg in Siegelbach war dann ein positives Signal. Danach haben wir unser Potenzial abgerufen."
Trainer Guido Mey
"Wir wollen es Dortmund nachmachen
und das Double holen."
Spielerin Ann-Katrin Schinkel über das am Donnerstag anstehende Pokalfinale